Heute wollen wir ein Stück mit dem Auto fahren, um die „Seven Sisters“ zu besuchen, die Kliffküste zwischen Eastbourne und Seaford. Es handelt sich um eine Kette aufeinanderfolgender Kreidefelsen der Küstenlinie, die die wohl eindrucksvollsten Klippen der South Downs in Sussex bilden.
Wie immer ist das Thema Barrierefreiheit (oder zumindest Barrierearmut) ein wichtiges Thema. Insbesondere, wenn es nicht in öffentliche Gebäude, sondern in die Natur geht. Aber im Seven Sisters Country Park soll es einen befestigten Weg geben, der auch mit Rollstuhl gut zu bewältigen ist.
Womit wir allerdings nicht gerechnet haben ist, dass wir vielleicht ein klein wenig zu optmistisch an die Sache herangegangen sind. Direkt vom Parkplatz weg führt der tatsächlich barrierefreie Weg am Cuckmere River entlang bis zum Meer. Gute 2,5km beanspruchen uns nicht zu sehr und auch jetzt schon bieten sich schöne Ausblicke. Am Ende geht es über eine Steigung an den Steinstrand. In unserer „Euphorie“ lassen wir uns von einigen hilfsbereiten Engländern über die Steigung helfen und stehen nach einigen Metern am Strand mit wunderbarem Ausblick auf das Meer und auf einige Klippen. Dass es bis hierher so gut ging und die Karte etwa 500m entfernt einen alternativen Weg zurück zum Parkplatz zeigt, verleitet uns dazu, nicht den Rückweg über den betonierten Weg anzutreten, sondern uns bis zu dem Weg direkt am Fuß der Klippe vorzukämpfen. Und ja, in gewisser Weise war es ein Kampf. Wir bringen die 500m hinter uns- teils, indem Kristin vorsichtig immer wieder ein Stück auf den Steinen läuft und teils, indem ich sie mitsamt Rollstuhl einen Fuß nach dem anderen setzend rückwärts durch das Geröllfeld „zerre“. Die Freude, dass wir die letzten 50m zum Weg den Rollstuhl wieder normal schieben können, währt indes nicht lang. Gleich der Anfang des Weges wird durch ein ziemlich großes Matsch-Loch versperrt. Umkehren ist für uns in dem Moment keine Option. Wir haben bestimmt mehr als eine Stunde gebraucht, um den Weg am Strand zu überwinden. Also stellen wir uns dem Matsch. Den Rollstuhl im 45 Grad-Winkel daran vorbeizuziehen, gelingt nur, weil Kristin einen Stock verwendet, um sich und den Rollstuhl abzustützen und weil eine hilfsbereite Engländerin herbeieilt und uns vor einer unrühmlichen Landung im Matsch bewahrt.
Dann geht es einen guten km sorgenfrei auf feuchtem, aber befahrbaren Feld weiter. Eine uns entgegenkommende Wanderin erzählt uns, dass am Ende des Weges, wo er wieder auf den Hauptweg trifft, noch einmal eine sehr ausgedehnte Schlammstrecke ist und bezweifelt, dass diese mit dem Rollstuhl passierbar ist. Da wir uns aber langsam aber sicher zeitlich dem Sonnenuntergang nähern, ist Umkehren nun erst recht keine Alternative mehr und es hilft nichts, wir müssen weiter. Als wir das Dilemma dann in seinem ganzen Ausmaß sehen, verlieren wir fast den Mut. Langsam rückwärts gehend und jederzeit darauf gefasst, mit meinen Schuhen steckenzubleiben oder der Länge nach einfach hinzufallen (ich bin inzwischen ja auch recht erschöpft) kämpfen wir uns Meter für Meter durch den Schlamm. Auf den letzten Metern kommen uns auch hier wieder Passanten zur Hilfe (lustigerweise auch die Dame, die uns schon auf der anderen Seite des Feldweges geholfen hatte – sie war den Höhenweg gewandert) und ziehen Kristin samt Rollstuhl auf sicheren Boden. Dabei lassen sie mich allerdings zurück und ich habe es nur Kristin zu verdanken, dass ich nicht hinfalle- sie kann mir noch schnell ihre Stöcker überreichen, bevor sie mitsamt meiner Gehhilfe (aka Kristins Rollstuhl) entschwindet.
Nach einer längeren Pause auf der nächstgelegenen Bank erreichen wir den Parkplatz gerade noch rechtzeitig, um in Birling Gap noch einen imposanten Ausblick auf die Seven Sisters und einen weiteren schönen Sonnenuntergang zu bekommen.
Den Abend beschließen wir der Einfachheit halber wieder im Hotelrestaurant- diesmal allerdings mit Fish & Chips (die gut sind, aber nicht an die in Cambridge heranreichen können)















