Da für heute nicht nur Regen angesagt ist, sondern er auch tatsächlich kommt, beschließen wir, den heutigen Tag weitestgehend mit Innen-Aktivitäten zu begehen. Wir wollen ja schließlich am Abend nicht wie begossene Pudel im Musical sitzen!
Also was ist naheliegender als das British Museum? Kostenloser Eintritt und wahnsinnig viel zu staunen. Von der riesigen Bibliothek im Zentrum der Kuppel über die vielen Ausstellungsstücke des Partheon bis hin zu den Mumien. Letztere waren für mich das absolute Highlight. Ich glaube, alleine für das Durchlesen der Beschreibungen über das Mumifizieren selbst und über die hier ausgestellten Mumien benötigen wir fast eine Stunde.
Gegen 17 Uhr verlassen wir das Museum und bei gottseidank einigermaßen trockenem Wetter suchen wir einen Pub aus, der strategisch günstig auf unserem Weg zum Musical-Theater liegt und zum anderen Pie(s) auf der Speisekarte hat- denn die fehlen noch in unserem kulinarischen Erleben der Insel. Und wir werden nicht enttäuscht – The Jack Horner erfüllt alle Wünsche, die man zwischen Museums- und Musicalbesuch haben kann.
Frisch gestärkt geht es zu His Majesty’s Theatre– das übrigens vor dem Tod der Queen natürlich Her Majesty’s Theatre hieß. Hier wird seit seit der Uraufführung am 9. Oktober 1986 fast jeden Abend das Musical Phantom of the opera aufgeführt. Schon beim Kartenkauf waren wir angenehm überrascht, da die Karten vergünstigt und für den Begleiter (in England liebevoll essential companion genannt) sogar kostenlos waren. Was wir aber hier erleben, lässt uns nur noch staunen. Während wir auf das Theater zugehen bzw. -rollen, kommt eine Mitarbeiterin des Theaters mit aufgespanntem Regenschirm auf uns zu, nennt uns beim Namen und führt uns zum Seiteneingang. Dort zeigt sie uns zunächst die barrierefreien Toiletten und führt uns dann zu unserem Platz bzw. zu unseren Plätzen. Und diese Mehrzahl hört nicht bei zwei auf! Nein- nicht nur, dass für uns zwei Plätze reserviert sind, damit Kristin entscheiden kann, ob sie im Rollstuhl sitzenbleiben oder auf einen normalen Platz wechseln will- auch hinter uns hat das Theater (wohlgemerkt bei offensichtlich ausverkauftem Haus) zwei Plätze freigelassen, damit wir etwas Platz zum Rangieren haben. Dass wir in der Pause gefragt werden, ob man uns etwas bringen kann und den Tipp gibt, noch etwas zu warten, falls wir auf Toilette müssten (wir sollten keine Angst haben, sie beginnen schon nicht wieder, bevor wir wieder am Platz sind), ist irgendwie schon selbstverständlich- aber lässt uns einfach nur staunend zurück. Wenn ich da an die Geschichte denke, die Kristin mir erzählt hat, wie sie in der Staatsoper in Hamburg angeschaut wurde, als sie mit dem Rollator hineinwollte, dann denke ich (einmal mehr), dass wir in Deutschland noch mehr als nur ein. Stück Weg zu gehen haben, was Barrierefreiheit und selbstverständliche Teilhabe angeht.
Das Musical ist – wie auch nicht anders zu erwarten – grandios. Mir persönlich fehlt ja der Vergleich zur deutschen Version, aber Musical-Expertin Kristin konstatiert, dass das Original selbstverständlich besser sei und dass sie bestenfalls den Sturz des Kronleuchters in Deutschland etwas spektakulärer in Erinnerung hat.
Nach gut zwei Stunden allerbester Untehaltung und immer noch beeindruckt von der Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Beseitigung von Barrieren steigen wir direkt vor dem Theater in den Bus und erreichen nach einem Umstieg an der uns inzwischen schon vertrauten Shepherd’s Bush Station zufrieden unser Hotel. Beschwingt vom tollen Erlebnis und schon etwas traurig, dass es morgen nach Hause geht, geht es zufrieden ins Bett.



















