Nach „Das Bildnis des Dorian Gray“ standen für mich die Buddenbrooks von Thomas Mann auf meiner „To read“-Liste. Natürlich ist mir der Roman, für den Thomas Mann den Nobelpreis bekommen hat, in groben Zügen bekannt, aber ich muss gestehen, dass ich ihn bis dato noch nie von vorne bis hinten durchgelesen habe. Ich frage mich – auch jetzt im Nachhinein -, warum eigentlich nicht. Als ich mir als (einen) guten Vorsatz vorgenommen habe, mehr „Klassiker der Weltliteratur“ zu lesen und dieses Buch in allen einschlägigen Listen natürlich einen prominenten Platz einnahm, erinnerte ich mich daran, mit welcher Freude ich als Jugendlicher und junger Erwachsener „Der Zauberberg“ und vor allem „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ gelesen habe. Bei letzterem erinnere ich mich vor allem daran, wie enttäuscht ich am Ende des Romans war, dass er eigentlich noch viel weiter hätte gehen sollen, Mann aber einfach so gestorben war.
Aber zum Roman: Ich muss gestehen, er hat mich ziemlich schnell in seinen Bann gezogen. Ich mag solche Familiensagas, die über mehrere Generationen gehen. Wenn man etwas tiefer in die Materie eintaucht, dann ist für mich eine entscheidende Lehre aus dem Roman, dass man sich nie wirklich sicher sein kann und dass nichts für ewig währt. Dabei müssen es keine großen Katastrophen sein, die den Niedergang einläuten. Er kommt manchmal schleichend, macht auch mal Halt und bietet ein Zwischenhoch. Ich fand es spannend, mit den jeweiligen Protagonisten, in deren Hand das (wirtschaftliche) Glück der Familie lag, mitzufiebern. Mann hat es sehr fein herausgearbeitet, mit welchen Bürden der vergangenen Generationen und Herausforderungen der Gegenwart sie zu kämpfen haben. Und er zeigt auf, dass es äußere Umstände gibt, gegen die man nicht abarbeiten kann, egal wie sehr man sich müht. Noch das letzte Familienoberhaupt Thomas scheint aus ähnlichem Holz geschnitzt zu sein wie sein Großvater, doch auch er hat seinen Anteil am Niedergang, weil er sich auf ein windiges Geschäft einlässt, das letztlich scheitert. Nach außen hin hat er etwas erreicht, was seiner Familie bisher verwehrt war. Er wird Senatpr der Stadt Lübeck. Aber es hilft letztlich nichts. Der Stammhalter der Familie, sein. Sohn, hat durchaus anderes im Kopf, als den Familienbetrieb zu übernehmen. Dass es zu der Zeit natürlich trotzdem dazu gekommen wäre, ist natürlich klar. Aber hier spielt das Schicksal eine. Streich, der jeden ereilen kann und zeigt sich unbarmherzig. Der Stammhalter stirbt im Knabenalter an einer schweren Krankheit, der Bruder von Thomas ist in der Nervenheilanstalt und mit der Schwester ist nach zweimaliger Scheidung auch „kein Staat zu machen“. Und so kommt es, dass die rumreiche Zeit der Buddenbrooks unweigerlich zu Ende geht.
Den Roman habe ich mehr oder weniger in einem Zug durchgelesen. Da er in Lübeck spielt, ist es für mich natürlich auch eine Art Heimatroman- die Orte, an denen er spielt, sind mir durchaus vertraut.
Wie gesagt: Unerklärlich, warum ich den Roman nicht vorher schon gelesen habe und umso schöner, dass ich es jetzt endlich getan habe…