Die Hamburger Frühjahrsferien für einen Musical-Besuch nutzen, das war zunächst der einfache Plan. Wir setzen einen drauf und entscheiden uns für das Phanom der Oper in der Originalfassung in London und stricken eine Woche Südengland um den Besuch herum. Da das Reisen mit dem eigenen Auto mit dem Rollstuhl doch immer etwas angenehmer als mit Flug und Mietwagen ist, suchen wir gezielt nach Fährverbindungen. Und werden schnell fündig: Für die Hinreise planen wir die Fähre von Hoek van Holland nach Harwich und für die Rückreise die von Dover nach Calais, um den Kurzurlaub zu einem entspannten Roundtrip zu machen.

Um die Zeit möglichst optimal auszunutzen, nehmen wir die Nachtfähre mit Abfahrt um 22 Uhr in Hoek van Holland. Da wir schon am Mittag losfahren, ist das sehr entspannt und wir rollen direkt auf die Fähre durch, die sogar etwas voir der Zeit ablegt. Hier ein Wort zum Thema Fähre und Rollstuhl. Kristin und ich haben inzwischen einige Fährfahrten hinter uns und es war bisher nie ein Problem, vom Auto mit dem Rollstuhl in die Aufenthaltsbereiche oder zu den Kabinen zu kommen. Und so war es auch hier bei Stena Line. Wir bekommen beim Check In ein Hinweisschild für die Windschutzscheibe und werden wirklich direkt neben dem Lift eingewiesen. Wirklich klasse!
Nachdem wir unsere Kabine gefunden und bezogen haben, halten wir uns noch kurz in der Bar auf und gehen dann direkt in unsere Kojen.

Um 5:30 (dank Zeitverschiebung eine Stunde weniger schlimm als es sich anhört) ist Wecken. Kurzer Kaffee, problemloser Transfer zum Autodeck und ab geht es nach einer sehr freundlichen Kontrolle bei der UK Border Control auf die britische Hauptinsel.

Unser erster – und neben London einzig geplanter – Stop ist die Universitätsstadt Cambridge, die wir ausgiebig erkunden. Nach einigem planlosen Herumfahren in der Innenstadt auf der Suche nach einem Parkplatz entscheiden wir uns, den Madingley Road Park and Ride (PR 1) zu nutzen und mit dem Bus ins Zentrum zu fahren. Die Doppeldecker-Busse hier sind ebenso wie die in London mit Rampen ausgestattet und wahrscheinlich die angenehmste Art, sich im öffentlichen Nahverkehr mit dem Rollstuhl fortzubewegen. Wir steigen im Zentrum (St. Andrews Street) aus und „erfahren“ das Zentrum mit seinen tollen Häusern, den diversen Colleges und Universitäten. Das Kings College schauen wir uns nur von außen aus, wir haben noch einen Termin im quasi benachbarten MacGrath Centre des St. Catharines College. Wir hatten uns im Internet eine an diesem Samstag stattfindende musikalische Performance der Cambridge University Samulnori Society herausgesucht. Die am Eingang verteilten Ohrstöpsel hatten wir abgelehnt, auch wenn es sehr sehr laut wurde. Dass es sich um koreanische Trommelkunst handelte, hatten wir wohl im Vorfeld gelesen, aber uns ansonsten nicht weiter damit beschäftigt. Die Performance war wirklich beeindruckend, erfahrene Absolventen und begeisterte junge Schüler schufen einen „Klangteppich“, der seinesgleichen sucht. Im Nachgang zur Performance konnte man die Instrumente ausprobieren und sich mit den Musikern unterhalten. Eine wirklich gelungene und ganz andere Veranstaltung.

Für das Abendessen sollte es auf jeden Fall Fish and Chips sein. Und eine kurze Recherche empfahl „The Architect“ als empfehlenswerteste Location für dieses Unterfangen. Und es war goldrichtig. Man stellte sich das Gericht aus den Bausteinen Fischart, Art der Panade, gewünschte Beilage und gewünschte Soße zusammen. Wirklich sehr lecker und richtig gut. Uns war damit allerdings auch klar, dass damit die Wahrscheinlichkeit, in England nochmal bessere Fish and Chips zu bekommen, zumindest auf dieser kurzen Reise sehr gering geworden ist.

Nach dem Essen ging es nach einem kurzen Verdaungsspaziergang zum Bus und zurück zu unserem Parkplatz. Die Nacht haben wir dann etwas außerhalb in einem günstigerem Hotel verbracht als es in Cambridge wohl zu bekommen gewesen wäre.

Von Helge

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