Für heute haben wir uns vorgenommen, ein Stückchen zu wandern. Ein Stückchen ist ganz bewusst der richtige Ausdruck dafür- denn 20km am Tag, so wie ich es früher mit Holly problemlos geschafft habe, geht „dank“ meiner MS schon lange nicht mehr.

Da wir vor allem Wald sehen wollen, entschließen wir uns, knapp 50km in die Dübener Heide zu fahren. Dort gibt es am Campingplatz Königsee einen Wanderparkplatz, von dem aus wir starten wollen. Angekommen heißt es erstmal Campingtisch und -Stühle raus und Mittagessen kochen. Recht frisch für draußen Essen, aber doch mit knapp 10 Grad deutlich wärmer als die vorherigen Tage und zwischendurch immer wieder sonnig.

Nach dem Essen schauen wir uns von Komoot vorgeschlagene Touren an und entscheiden uns leicht optimistisch für einen 10km Rundweg. Was sich tatsächlich schon nach 3km als deutlich zu optimistisch erweist. Nicht nur ich kann trotz Stock nicht mehr länger darüber hinwegsehen, dass es klüger ist umzudrehen statt weiterzugehen, auch Holly „schwächelt“, weil ihr von der langen Radtour vorgestern die Beine wehtun. Also entscheiden wir uns dazu umzudrehen und stellen einen für uns neuen Rekord im „Langsam-wandern“ auf. Immer wieder machen wir Pause, um die nächsten Meter in Angriff zu nehmen.

Das klingt jetzt vielleicht schlimm, ist es aber gar nicht. Das Wetter ist bis auf die Temperaturen gut. Die Sonne scheint, die Vögel singen und man geht durch den schönen Wald an der frischen Luft spazieren. Und auch wenn es nicht die ursprünglich geplante Strecke ist, so tut es der Freude keinen Abbruch. Und so kommen wir nach einer weiteren Stunde gutgelaunt, wenn auch erschöpft, wieder am Bulli an.

Es ist noch recht früh am Tag, aber wir überlegen, ob wir diese Nacht im Bulli verbringen und halten das auch zunächst für eine gute Idee. Zumal wir ja schon bei -2 Grad erfolgreich im Bulli übernachtet haben (in Luckenwalde). Ich gehe zur Rezeption am Campingplatz, stelle aber fest, dass sie nicht besetzt ist. Auch sonst ist der Campingplatz menschenleer. Durch Zufall treffe ich den Besitzer, der gerade seine Kontrollrunde dreht. Er teilt mir mit, dass der Platz erst am 11. April öffnet. Wir dürfen aber, da wir autark sind, gerne die Nacht mit unserem Bulli auf dem Platz stehen. Wir fahren also ein und finden einen schönen Stellplatz direkt am See. Wir verlassen den Campingplatz noch einmal, um in einem nahegelegenen Imbiss etwas zu essen und uns nochmal aufzuwärmen und beziehen dann unseren Platz.

Auf einer Bank am See sitzend genießen wir die Ruhe, stellen aber fest, dass wir die Nacht zwar problemlos im Bulli schlafen könnten, bis zur Schlafenszeit aber keine Möglichkeit haben, uns warmzuhalten. Da es erst 19 Uhr ist, entscheiden wir uns kurzfristig, das für Weimar gebuchte Hotel schon eine Nacht früher zu buchen und heute Abend aufzubrechen.

Als wir gegen 22 Uhr im Hotel einchecken und das angenehm geheizte Zimmer betreten, sind wir dankbar für unsere Entscheidung. Und jetzt ist es auch spät genug, ins Bett zu gehen…

Von Helge

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